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Giovanni Torsello

Februar 17th, 2009

Ich beteilige mich an der Universität, weil sie ausprobiert, wie neue Konzepte im Verbund mit den (neuen) Konzepten anderer Fakultäten funktionieren und wie sie miteinander arbeiten können. Es geht um rekombinante Zustände. Außerdem kann die UW/H experimentieren, wie “Universität” neu gedacht werden kann.
Wir sagen nicht, dass alle Ideen und Neukonzeptionen übernehmenswert sind. In der Tat ist es eine von zehn Innovationen (schätzungsweise), die sich bewährt. Aber dafür lohnt es sich. Diese Konzepte können dann von anderen Universitäten übernommen werden (UW/H als Experimentierlabor). Dies ist unser gesellschaftlicher Nutzen - deswegen braucht Deutschland Witten - und nicht nur Witten Deutschland.
Letztendlich zählt in der Wissenschaft der Vergleich: Ist A besser als B? Wir sind nicht A oder B. Wir liefern B, C, D, E, F. Man kann dies verstehen als eine Art Bildungsdarwinismus (übrigens jährt sich die Evolutionstheorie Darwins zum 150. Mal): Es gibt eine Menge Strömungen. Sicherlich gibt es Mainstream - der Bewährtes verinnerlicht und ganz gut funktioniert - , aber wird er nicht besser und überlebensfähiger durch (Darwin: ?ökologische?) Nischen?
Die UW/H kann aus kapazitäts- und finanziellen Gründen nicht nur Mainstream (-forschung und -lehre) betreiben. Soll sie auch nicht. Sie soll als Nischenquelle immer neue Konzeptionen aufzeigen, die dann überprüft und dann verworfen oder übernommen werden.
Die Einführung von Bachelor- und Masterstudiengängen soll den Studierenden mehr Praxiswissen vermitteln, denn dies sei viel relevanter (Aus ähnlichen Beweggründen forciert Minister Pinkwart auch den Ausbau der FH-Landschaft in NRW). Studieren nach Neugier und Interesse mit beliebiger Detailtiefe wird nicht gewünscht, weil sich so nicht Akademiker ausbilden lassen, die schnellstmöglich in „die reale Welt“ gehen und ihre gelernten Tools anwenden. Die Praxis hat schließlich alle Antworten parat.
Aber ist es nicht so, dass die Praxis durch die Theorie bereichert, ja sogar entstanden ist? Kann nicht die Theorie sinnvolle neue Herangehensweisen für die Praxis liefern? Bietet nicht die Theorie eine Auswahl an, die sich die Praxis zu Nutze machen kann? zugegebenermaßen ist der größte Teil vielleicht selten anwendbar (man arbeitet ja mit Modellen, die niemals 1:1 die Realität abbilden, sonst wären sie ja auch keine Modelle)?
Wie bereits erklärt kann die UW/H nicht mit staatlichen Unis verglichen werden - dies begreift sie auch nicht als ihr Ziel. Sie soll Nischen finden, sie testen, für gut oder unbrauchbar befinden. Dabei soll sie eines erforschen und weiterentwickeln: Die „Universität“.

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